10/16/10

Mehr Selbstverantwortung

...eine Chance für dünn besiedelte Räume

Haben Bewohner in peripheren, dünn besiedelten ländlichen Räumen akzeptable Lebensbedingungen und Entwicklungschancen? Können Staat und Kommunen dort langfristig ein Minimum an öffentlicher Infrastruktur bieten wie z.B. Trinkwasserversorgung, Abwasserbeseitigung, Müllabfuhr, Busanschluss, Kindergarten, Schule? Haben die Bewohnerinnen und Bewohner eine reelle Chance, diese Grundinfrastrukturen ihre Dörfer und Gemeinden selbstorganisiert zu gestalten? Oder sollte man die Menschen an schlecht zu versorgenden Standorten dazu bewegen, in die nächstgelegene, besser eingebundene Ortschaft zu ziehen

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, veranstaltete  die Montag Stiftung Urbane Räume im Herbst 2010 gemeinsam einen Workshop »Selbstverantwortungsräume«. Auf Anregung und unter Moderation von Jürgen Aring wurden mit den Teilnehmern aus staatlichen und kommunalen Verwaltungen, aus Verbänden und Stiftungen Lösungsansätze zu diesen Kernfragen entwickelt.

Die Debatte über die Ausdünnung und die Versorgungslücken im ländlichen Raum braucht unabhängige Diskussionsplattformen. Es muss offen und ohne Vorbehalte diskutiert werden, wie die Zukunft im ländlichen Raum weiter gestaltet werden kann, damit sozial, ökonomisch und ökologisch tragfähige Lösungen entwickelt werden können. Der Workshop ist ein Beitrag zu dieser Diskussion, auf den hoffentlich viele weitere Beiträge von anderen Partnern aus Praxis, Politik und Theorie folgen werden.

Workshop-Teilnehmer

  • Jürgen Aring, Prof. Dr., BFAG Meckenheim / Universität Kassel, FG Stadt- und Regionalplanung
  • Sonja Beeck, Dr., iba stadtumbau, Dessau / Universität Kassel FG Stadtentwicklung und Stadtmanagement
  • Frauke Burgdorff, Vorstand Montag Stiftung Urbane Räume, Bonn
  • Clemens Exner, NH Projektstadt, Kassel
  • Isabell Friess, Vernetzungsstelle Ländlicher Raum, Bonn
  • Hans-Peter Gatzweiler, Dr., Abteilungsleiter BBSR, Bonn
  • Bernhard Heinrichs, Dr., MD a. D., Landesplanung, Görslow (bei Schwerin)
  • Horst Hofmann, Landratsamt Hassberge, Haßfurt
  • Beatrix Novy, Journalistin, Deutschlandradio, Köln
  • Birgit Richtberg, Dr., Bürgermeisterin der Gemeinde Romrod (Vogelsbergkreis)
  • Sabine Süß, Vorstand Schader Stiftung, Darmstadt
  • Sigurd Trommer, Denkwerkstatt der Montag Stiftungen, Bonn
  • Niklas Wever, Wiss. Mitarbeiter, Universität Kassel, FG Stadtentwicklung und Stadtmanagemen

Dokumentation des Workshops


GASTPROFESSUR AN DER UNIVERSITÄT KASSEL

Mit dem Beginn des Wintersemesters 2010/2011 lehrt Dr. Sonja Beeck als Gastprofessorin für Stadtentwicklung und Stadtmanagement im internationalen Kontext im Fachbereich ASL an der Universität Kassel.

Stadtmanagement ist eine Disziplin, die die Stadt als Ganzes in den Blick nimmt. Geeignete Organisation und Steuerung von Entwicklung, qualitative Verbesserung durch Gestaltung und bessere Nutzung von Ressourcen/Gegebenheiten sind Techniken die für den Stadtplaner von morgen unabdingbare Voraussetzung sind.
Ziel ist es, die Komplexität des Städtischen zu verstehen (wicked problems), die verschiedenen Bedingungen zu betrachten und maßgeschneiderte angemessene Werkzeuge für das Stadtmanagement zu entwickeln.
Das Fach legt dabei sehr viel Wert auf eine integrierte Planung. Die Betrachtung der Stadt durch die Brillen unterschiedlicher Professionen: ökonomische, soziologische, ökologische, kulturelle und soziale werten wir als Voraussetzung für nachhaltige und kluge Entwicklung.
Im Studiengang werden unterschiedliche Analyseverfahren entwickelt und in Seminaren und Projekten trainiert. Von konkreten Vorortrecherchen eines Reporters bis zu Auswertungen und Analysen von Datenerhebungen und der Reflektion von globalen Megatrends, die Einfluss auf die lokale Entwicklung haben.
Im Gegensatz zur klassischen Stadtplanung, betrachtet Stadtmanagement u nicht die bauliche Entwicklung alleine, sondern beschäftigt sich mit den Voraussetzungen für Entwicklung: Zielsetzungen, Kommunikations- und Kooperationsstrukturen. Die Kernaufgabe von zukünftigen Stadtmanagern, ist es geeignete Prozesse zu organisieren, die Politik, Verwaltung und beteiligte Bürger und Bürgerinnen zu Gestaltungsspielraum verhelfen und die Entscheidungen vorbereiten.
Das Fachgebiet wählt ausdrücklich eine deutlichen Praxisbezug und spiegelt diesen immer im internationalen Kontext, denn das Wissen um Internationale Verfahren und Praktiken wird mehr und mehr Voraussetzung für die Tätigkeit im Kontext der EU und global.

 

 

 


Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010

Die IBA Stadtumbau 2010 machte ganz Sachsen-Anhalt zum Labor für die Stadt von morgen. In diesem Rahmen erprobten Stadtplaner, Architekten, Bürger und Vertreter aus Politik und Verwaltung beispielhaft neue Werkzeuge des Stadtumbaus in 19 Städten, die vom demografischen Wandel betroffen sind. Dabei verfolgte jede Stadt ihr individuelles Thema und schärfte das eigene Profil, das auf die Stärkung und Nutzung ihrer originären wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Potenziale setzt und das gleichzeitig als Leitlinie der künftigen baulich-räumlichen Entwicklung der Stadt dienen kann.

Seit 1989 hat das Land etwa 17 Prozent seiner Bevölkerung verloren, Prognosen gehen davon aus, dass sich dieser Prozess weiter fortsetzt. Damit steht Sachsen-Anhalt für eine gesellschaftliche Gegenwart, die auch in anderen Ländern bereits angekommen ist, und für eine Zukunft, die viele noch erwartet. Schrumpfungsprozesse und Bevölkerungsrückgang stellen Stadtentwicklung und -gestaltung vor ganz neue Herausforderungen. Ein weitblickender Stadtumbau, der auf Leerstand und finanziellen Notstand mit kreativen Impulsen antwortet, ist der Weg, den das Land Sachsen-Anhalt beschritten hat, als es im Jahr 2002 die IBA Stadtumbau 2010 initiierte. 
Die Bilanz ist nicht das Ende des Rückgangs, aber dessen positive Wendung mithilfe kleinerer, gestraffter Strukturen – denn Weniger ist Zukunft.


> www.iba-stadtumbau.de


Insbesondere Klein- und Mittelstädte in dünn besiedelten, ländlich geprägten Räumen übernehmen für ihr Umland wichtige Aufgaben zur Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge. Es gilt deshalb, sie als wirtschaftliche, soziale und kulturelle Ankerpunkte des Umlandes für die Zukunft handlungsfähig zu machen. Das neue Programm der Städtebauförderung "Kleinere Städte und Gemeinden" im Rahmen der "Initiative Ländliche Infrastruktur" unterstützt die Kommunen bei dieser schwierigen Aufgabe.

Dr. Sonja Beeck Stärken von Klein- und Mittelstädten: Eindrücke von der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 

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