Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010

Die IBA Stadtumbau 2010 machte ganz Sachsen-Anhalt zum Labor für die Stadt von morgen. In diesem Rahmen erprobten Stadtplaner, Architekten, Bürger und Vertreter aus Politik und Verwaltung beispielhaft neue Werkzeuge des Stadtumbaus in 19 Städten, die vom demografischen Wandel betroffen sind. Dabei verfolgte jede Stadt ihr individuelles Thema und schärfte das eigene Profil, das auf die Stärkung und Nutzung ihrer originären wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Potenziale setzt und das gleichzeitig als Leitlinie der künftigen baulich-räumlichen Entwicklung der Stadt dienen kann.

Seit 1989 hat das Land etwa 17 Prozent seiner Bevölkerung verloren, Prognosen gehen davon aus, dass sich dieser Prozess weiter fortsetzt. Damit steht Sachsen-Anhalt für eine gesellschaftliche Gegenwart, die auch in anderen Ländern bereits angekommen ist, und für eine Zukunft, die viele noch erwartet. Schrumpfungsprozesse und Bevölkerungsrückgang stellen Stadtentwicklung und -gestaltung vor ganz neue Herausforderungen. Ein weitblickender Stadtumbau, der auf Leerstand und finanziellen Notstand mit kreativen Impulsen antwortet, ist der Weg, den das Land Sachsen-Anhalt beschritten hat, als es im Jahr 2002 die IBA Stadtumbau 2010 initiierte. 
Die Bilanz ist nicht das Ende des Rückgangs, aber dessen positive Wendung mithilfe kleinerer, gestraffter Strukturen – denn Weniger ist Zukunft.


> www.iba-stadtumbau.de


Drive Thru Gallery - Aschersleben

Die entscheidende Schnittstelle zwischen außen und innen ist in Aschersleben die Bundesstraße, die sich wie eine Klammer um die Altstadt legt. Diese Ortsdurchfahrt hat über Jahrzehnte das negative Image von Aschersleben bestimmt, denn 17.000 Autos, darunter viele LKWs, bahnen sich dort täglich auf drei Bundesstraßen (B6/B180/B185) ihren Weg durch die Stadt. Sie verursachen Lärm und hinterlassen Dreck.

Der Leerstand entlang dieser Verkehrsschneise wuchs stetig und betrug auf seinem Höhepunkt rund 40 Prozent. Herkömmliche stadtplanerische Methoden griffen nicht mehr und so entschied sich die Stadt, marode Bausubstanz abzureißen und so Platz für Neues, für Nahversorger, Gewerbebetriebe, Bildungseinrichtungen, aber auch für Kunst zu schaffen.

An diesem Punkt entstand die Idee der DRIVE THRU Gallery, eine Galerie, die Kunst für Autofahrer erlebbar macht. Baulücken wurden mit künstlerischen Installationen oder temporären Interventionen geschlossen. Großformatige Bilder, Fotografien und Schülerkunst, Lichtinstallationen, Recyclingmöbel und kreative Sichtschutzwände sind zu bestaunen. An vielen Stellen entstand ein neuer urbaner Raum, der zur Auseinandersetzung mit alltäglichen Seh- und Lebensgewohnheiten anregt. Die weitere Bespielung der DRIVE THRU Gallery ist auch nach Beendigung der IBA erklärtes Ziel der Stadt.

Ausstellungen und Installationen seit 2002

Hybridwalls „Hinter dem Zoll“

“Feierabend” 2010, Andree Volkmann?Installation von multifunktionalen Medienwände auf 5 Abrissflächen, 2004; chezweitz & roseapple, Berlin

“Hitzefrei” 2007-2010, Christopher Winter: Der britische Künstler Christopher Winter präsentierte 2007 unter dem Titel „Hitzefrei“ fünf großformatige Bilder. Die Originale dieser Bilder waren zeitgleich in der Ausstellung „Songs of Innocence“ in der Galerie Neuhoff Edelman in New York zu sehen.?Erstbespielung: 2004 mit Street Art durch den Aschersleber Kunst und Kulturverein (AKKU)

Geschwister-Scholl-Straße

“Infosatellit” 2002, Heike Sperling, Tom Unverzagt?Metall, lackiert und mobil aufgeständert. Das gesamtes Grundstück als befestigte Fläche aus Abbruchmaterial (Steinen) betont den vorläufigen Charakter der offenen Nachnutzung der Geschwister-Scholl-Straße 64/66. Blickachsen und ein Durchgang als neue Verbindung wurden geschaffen. Ein linear in der Fläche abgesenkten Weg aus Beton-U-Schalen stellt eine Verbindung zwischen Dienstleistungsquartier und Innenstadt her.

“Epitaph” 2004, Jörg Schlinke, ?Die Skulptur von dem Potsdamer Künstler Jörg Schlinke ist ein 1:1-Abbild einer Originaltür, die nach dem Abriss gemeinsam mit Auszubildenden des Handwerkerbildungszentrums (HBZ) geborgen und wieder aufgearbeitet wurde.

Bahnhofstraße

“Stargazer” 2009, Ursula Achternkamp?Installation, tagsüber eine Reihung “blinder” Starenkästen als Verkehrsberuhigung, nachts ein subtiles Lichterspiel in dem Astwerk der Bäume.

“Hinter dem Fenster” 2008, Klasse 5b, Ganztagsschule Albert Schweitzer?Ein ehemaliges Bahnhofshotel wird zum Schauplatz eines Licht- und Schattenspiels aus Scherenschnitten. Es spielt mit dem bläulichen Flimmern, das Fernsehapparate nachts in die Straßen senden. In den Fenstern zu sehen sind die Schatten-Silhouetten von Film- und Comicprotagonisten. Personen, Superhelden, Mutanten und Comicstars des öffentlichen Lebens, die sonst auf dem Fernsehbildschirm erscheinen, bewohnen jetzt als „Phantome“ temporär das leer stehende Haus (zeitgleich mit “Zuhause” eröffnet).

“Zuhause” 2008,?Frontal “Steve” Albrecht Tübke; “Living Room - Athens” Christina Dimitriadis?Seite “Paul Albrecht Leitner - Südbahnhof Wien” Valentina Seidel?großformatige Fotoprints; Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels befragt die Ausstellung das „Zuhausesein“. Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Mensch. Die Fassaden sind die Schnittstelle zwischen Wohnen und Verkehr. Ist Zuhause da, wo man sich Bilder an die Wand hängt oder ein soziales Arrangement?

Heinrichstraße

“Recyclingwand” 2005, Niebergall+Schaller Architekten?Installation von Schallschutzwänden aus Recyclingmaterial auf Abrissflächen entlang des Innenstadtrings. 2005 errichteten Jugendliche des Handwerkerbildungszentrums die Sichtschutzwand in der Heinrichstraße. Die puzzleartig zusammengesetzte Mauer besteht aus Materialen wie Backsteine, Ziegel und Waschbecken.

“Faltwerk Butze” 2009, Niebergall+Schaller Architekten?Installation eines Zauns für den Jugendclub Butze, der durch seine Faltung wörtlich besetzt werden kann.

“Wandelhaus” 2010, chezweitz&roseapple, Berlin?Skulpturale künstlerische Intervention auf der Eckbrache im Zusammenspiel mit der anreihenden Brandwand des Nachbarhauses. Eine visuelle Verknüpfung zwischen dem Bestehornpark und dem alten Stadtpark.

Steinbrücke

“DRIVE IN - MOTEL ASL” 2009 + 2010, Ergebnisse des Workshops “Bundesstraßenresidenz”

“A Light Smell of French Fries” 2009 + 2010, Luc Mattenberger Küchenöl-Recycling-Station/Installation

„Dienstsessel Frittentanke“ 2010 - 2012, Magnus Copei, Florian Dirks, Uwe Heinrichsmeier motorisierter Sessel

“public picnic” 2009, Oliver Schübbe / OS2-Designgroup Recycling-Projekt/Raststättenmöbel

“Geruchspfad” 2010, Gerd Schickerling Aromapoller entlang der DRIVE THRU Gallery

“THIS WAY OKAY” 2009, Isamu Krieger Neon-Signaletik, alternierende Schaltung